DAS LAUFJAHR 2008 - 10. Rother Altstadtlauf (Hobbylauf über 5 km) am 08.06.

Vor dem Start (Rüdiger ganz vorne links)
Vor dem Start (Rüdiger ganz vorne links)

Eigentlich wollte ich schon am Vortag und bei einem ganz anderen Lauf starten. Es sollte der Landkreislauf des Landkreises Nürnberger Land sein. Als einer von 12 Startern unserer Betriebssportgruppe sollte und wollte ich antreten. Drei Wochen vor dem Lauf stand dann fest, dass es nicht genügend Lauffähige und -willige gab. Sollten zwei Monate hartes Training (nach vier lauffreien Jahren) völlig umsonst gewesen sein? Nein! Also disponierte ich kurzfristig um und meldete mich für den nächstbesten Lauf in meiner Region an. Das war der Altstadtlauf in Roth.

 

Mehr als zwei Stunden vor dem Start bin ich in Roth. Ich stelle mein Auto auf einem Parkplatz in der Nähe der Laufstrecke ab. Dann sehe ich mir diese erst mal an. Zuerst gehe ich in die Richtung, wo ich den Start vermute. Ich komme dabei an eine Kreuzung, die so dürftig gekennzeichnet ist, dass ich mir mindestens drei verschiedene Streckenverläufe vorstellen kann. Obwohl  der Hauptlauf noch nicht beendet ist, ist momentan kein einziger Läufer zu sehen. Ich frage deshalb erst mal den Streckenposten, wie dort der Verlauf ist und wo der Start liegt. Zügig gehe ich dann zur Turnhalle am Start und hole mir dort die Startnummer ab, die ich gleich an meinem Laufshirt befestige. Da bei mein 5-km-Hobbylauf noch dünner besetzt ist, als der Hauptlauf, muss ich allen Ernstes befürchten, mich ohne genaue Strecken- kenntnis zu verlaufen. Und das möchte ich (auch wenn es mein erstes Rennen ist) doch vermeiden. Ich laufe deshalb die ganze Strecke ab und bin mir danach ziemlich sicher, dass ich mich ohne diese Vorsichtsmaßnahme wohl verlaufen hätte.

 

Vor dem Start laufe ich mich noch etwa 10 Minuten lang warm. Am Start, der zugleich das Ziel ist, ist  ein Ansager mit Mikrofon, der einen fast professionellen Eindruck macht.  Ansonsten hat die ganze Veranstaltung einen eher familiären Charakter. Die Zeit wird noch von Hand gestoppt. Ein Fotogaf ist auch da. 

 

Leider verzögert sich alles. Zuerst kommt noch ein Jugendlauf.  Danach - mit etwa 30 Minuten Verspätung - soll dann der Hobbylauf über 5 km gestartet werden. Kein Problem. Bei einer Temparatur von mindestens 25°  und hoher Luftfeuchtigkeit besteht keine Gefahr, dass ich auskühle.

 

Mit mir stehen noch ungefähr 15 Leute am Start. Die meisten machen auf mich den Eindruck, dass sie solche Rennen schon öfters gelaufen sind. Ich bin sehr aufgeregt. Mein Puls rast, was ich allerdings nur fühlen kann, da ich noch keinen Pulsmesser habe. Nach aussen gebe ich mich ganz cool. Niemand kennt mich hier. Ich stehe unter keinem Zeitdruck und habe nichts zu verlieren.

Beim Start
Beim Start

Mit dem Startschuss jagt die ganze Meute los. Ich werde von allen Seiten überholt und versuche mitzuhalten - vergebens, obwohl es zunächst bergab (am Schloss vorbei) geht. Ich muss mich auf mich selbst konzentrieren und kann daher nicht zählen, wie viele mich schon überholt haben. Rein gefühlsmäßig waren es zwar einige, aber noch nicht alle. Schon nach ein paar hundert Metern geht es dann wieder aufwärts.  Nach etwa 50 Metern wird es wieder eben. Es geht über den gepflasterten Marktplatz. Schon bald folgt ein langer Anstieg bis zur Wendemarke, dem Ende der ersten Runde. Diese habe ich in der von mir geplanten Zeit bewältigt. Dennoch fühle ich mich so geschafft, dass es mir zu diesem Zeitpunkt eher unwahrscheinlich erscheint, dass ich bis zum Ende durchhalte.  Hier macht sich wohl auch mein relativ hohes Gewicht von 82 kg (bei 171 cm Körpergröße, was BMI 28 entspricht) bemerkbar. An der Wende verzichte ich zunächst darauf, das angebotene Wasser zu trinken. Das soll mich anspornen, zunächst bis zum Ende der zweiten Runde durchzuhalten.

 

Auf geht es zur zweiten Runde. Der lange Anstieg erschient mir noch länger als zuvor und ich merke hier besonders, dass ich bereits deutlich langsamer bin. Zu Beginn dieses langen und langsamen Abschnittes überholt mich noch mal eine Läuferin. Eigentlich ein gutes Zeichen, dass mich (von kurz nach dem Start bis jetzt) sonst niemand mehr überholt hat. Das hindert meinen inneren Schweinehund aber nicht,  sich sofort danach bei mir zu melden und mich zu fragen: "Weshalb machst Du das eigentlich? Bei diesem Wetter könntest Du auch was anderes machen, als Dich hier zu schinden." Irgendwie habe ich damit schon gerechnet. Denn ich anworte ihm sofort: "Ich will zeigen, dass ich es schaffe und ich werde es schaffen!". Von da ab schalte ich einfach auf Reserve. Das heisst, ich reisse mich zusammen und kämpfte mich einfach Meter um Meter vorwärts, auch wenn ich schnaufe wie ein Walroß. Mit immenser Willensanstrengung  erreiche ich dann das Ende der zweiten Runde und gönne mir (ohne dabei anzuhalten) einen Becher mit Wasser (als Belohnung und als Wundermittel zum Durchhalten für die dritte Runde. Es kommt allerdings nur ein Schluck dort an, wo er soll. Der größte Teil landet auf dem Asphalt. Die erhoffte psychologische Wirkung tritt aber dennoch ein: Ich gebe nicht auf und mache weiter. Auf die Uhr schaue ich allerdings nicht mehr, um mich nicht zu demotivieren.

Anstieg kurz vor dem Ziel
Anstieg kurz vor dem Ziel

Im Ziel bin ich dann positiv überrascht: Ich habe die Strecke von 5 km in 28:11 Minuten und damit deutlich unter der mir selbst gesetzten 30-Minuten-Grenze geschafft. Nach mir kommen - in deutlichem Abstand - noch mehrere Läuferinnen und Läufer. Damit war ich schneller und besser, als ich mir vorher vorgenommen hatte. 

 

Es dauert mindestens 5 Minuten, bis ich wieder einigermaßen normal atmen kann, aber dann bin ich stolz darauf, dass ich durchgehalten habe. So muss sich ein Marathonläufer nach seinem ersten Marathon fühlen!

 

Es gibt dann sogar noch eine Siegerehrung, bei der alle - auch ich - nochmals einzeln vorgestellt werden und ihre Medaille  und eine Urkunde in Empfang nehmen. Das finde ich ganz toll, weil die vollbrachte Leistung so nochmals gebührend gewürdigt wird. Eine familiäre Laufveranstaltung hat doch etwas für sich. 

 

Jetzt hat mich das Lauffieber endgültig gepackt.

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