DAS LAUFJAHR 2008 - 9. Neumarkter Stadtlauf (über 5,5 km) am 21.09.

Nach meinem allerersten Wettkampf (am 08.06.2008 in Roth) hatte ich zunehmend Schmerzen im rechten Sprunggelenk, die mehrere Monate lang ein zielgerichtetes Trainiung unmöglich machten. Immer wieder legte ich Laufpausen von bis zu einer Woche ein, während der ich mein Training mit dem Fahrrad absolvierte. Einlagen und ein eiserner Wille weiter zu machen ermöglichten es mir, ab Mitte August wieder richtig zu trainieren. Vier Tage vor dem Start fühlte ich mich noch topfit. Dann trat plötzlich ein Infekt der oberen Luftwege (nachts Kratzen im Hals) auf, den ich sofort mit einem pflanzlichen Mittel bekämpfte.

 

So richtig raus kam der Infekt nicht. Aber fit fühlte ich mich auch nicht mehr. So fuhr ich am Tag vor dem Start nach Neumarkt und holte mir dort die Startunterlagen ab. Es war sogar ein T-Shirt dabei (ohne Werbung). Dann sah ich mir noch ein paar Streckenabschnitte des Laufes an, die ich noch nicht kannte und ging zum Marktplatz. Dort löste ich meinen Gutschein für die Nudelparty (Spätzle mit Champignonsauce) ein. Es war schon ein komisches Gefühl, weil einfach der Infekt in mir steckte und ich nicht wusste, ob ich wirklich starten würde können

 

Am Tag des Rennens fühlte ich mich zwar ziemlich matt, hatte aber sonst keine Beschwerden und auch kein Fieber. So beschloss ich, zumindest nach Neumarkt zu fahren und im letzten Moment zu entscheiden, ob ich laufen wollte oder nicht. Mein usrpüngliches Ziel von knapp unter 28 Minuten (errechnet aus den besseren Wetter- und Streckenbedingungen, der zwischenzeitlichen Gewichtsabnahme von 82 auf 76 kg und einem kleinen Trainingsfortschritt) habe ich zu diesem Zeitpunkt bereits aufgegeben.  

ca. 500 m nach dem Start
ca. 500 m nach dem Start

Am Wettkampftag fahre ich nach Neumarkt und parke beim Landratsamt. Das Wetter ist ideal (stark bewölkt aber trocken, Temparatur um 15° C). Ich gehe in die Innenstadt und laufe mich dort ein bisschen warm. Ein Blick auf die Pulsuhr, die ich mir vor wenigen Wochen zugelegt habe, zeigt mir doch einen sehr hohen Wert an.  Ich befürchte, dass das der Infekt ist. Voller innerer Zweifel darüber, ob ich starten kann oder nicht, stelle ich mich einfach mal ca. 15 Meter hinter die Startlinie. Als es dann so weit ist, beschließe ich, es einfach mal zu probieren und zuerst etwas verhalten zu laufen, um zu sehen, ob es Probeme gibt.

 

Leider kann ich das ganze Flair dieser Großveranstaltung - aufgrund meiner schlechten Verfassung - nicht richtig geniessen und fühle mich vor dem Start einfach beschissen. Als es dann losgeht, merke ich, dass es ganz gut läuft. Ich überhole etliche langsame Läuferinnen und Läufer (s. links)  und finde doch sehr schnell meinen Rythmus. Den richtigen Biss habe ich allerdings nicht, weil ich immer im Hinterkopf auf irgendwelche Herzbeschwerden lauere. So schwimme ich im Schwarm der Läufer mit, ohne mich ausreichend nach vorne zu orientieren. Auf der Hälfe der Strecke  geht dann auch noch ein Schnürsenkel auf. In aller Eile binde ich mir den Schuh, der nach wenigen Minuten prompt nochmals aufgeht. Wäre ich wirklich fit gewesen, so hätte ich mir vor dem Start die Schnürsenkel doppelt gebunden und der Fehler wäre nicht aufgetreten. So wurde ich durch diese unfreiweilligen Aufenthalte um mindestens 20 Plätze zurück geworfen, die ich nicht mehr aufholen konnte.

 

Endspurt
Endspurt

Was mich wundert ist, dass sich mein innerer Schweinhund überhaupt nicht bei mir meldet. Der weiss wohl ganz genau, dass ich ihn heute überhaupt nicht brauchen kann. Etwa nach der halben Strecke gibt es Wasser. Ich lasse mich dazu verleiten, einen Becher zu nehmen. Die einzige längere Steigung (etwa von Kilometer 3,5 bis 4,5) schaffe ich ganz gut, auch wenn natürlich die Kräfte langsam nachlassen.  

 

Am Ende der Steigung gelingt es mir sogar, noch einen anderen Läufer (der schätzungsweise etwas fünf Jahre jünger ist als ich) zu überholen. Der greift aber gleich wieder an und gewinnt das Duell. Die vielen Zuschauer auf der etwa 500 m langen Zielgeraden  bewirken nochmals eine Mobilisierung der letzten Kräfte (s. rechts). Es gelingt mir aber nicht mehr, nochmals an meinen Vordermann heranzukommen, der dann wenige Sekunden vor mir durch das Ziel läuft. 

 

Ich fühle mich zwar ausgepumpt, aber doch wesentlich besser, als bei meinem ersten Lauf im Juni. Das Gefühl der Schlappheit ist vorbei und kehrt auch nicht mehr zurück (weder am selben Tag noch später). Dankbar nehme ich die Zielverpflegung (Wasser und diverses Obst, wie Äpfel, Bananen und Pfirsiche an). Es gibt sogar Kuchen.

Leider habe ich auch vergessen, meine Uhr zu stoppen, so dass ich im ersten Moment gar nicht weiß, wie schnell ich eigentlich war.  Auf einem Monitor kann ich dann - schon wenige Minuten später - meine Zeit ablesen: 00:32:04. Ich bin zunächst enttäuscht, weil ich insgesamt sogar langsamer war, als bei meinem viel schwierigeren ersten Lauf.

 

Dann führe ich mir nochmals vor Augen, dass ich bei besserer Verfassung und fehlerlosem Lauf wesentlich schneller gewesen wäre und versöhne mich mit mir selbst. Immerhin wurde ich von 95 Männern der 59. und bin damit nicht mehr im hinteren Drittel, sondern im Mittelfeld gelandet. Eine Alterklassen-Wertung gab es - entgegen der Aussage in der Urkunde - bei diesem sogenanngten"Schnupperlauf" nicht.

 

Eine Kollegin von mir (ca. 20 Jahre jünger), die in Neumarkt arbeitet, war immer noch deutlich langsamer als ich. Also insgesamt (trotz Verschlechterung von 5,6 auf 5, 8 Minuten pro Kilometer) eine Verbesserung. 

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