DAS LAUFJAHR 2011 - Altmühlseelauf (Halbmarathon) am 16.07.2011

Dass es an diesem Tag warm werden würde, war wahrscheinlich und wenige Tage vorher auch vorauszusehen. Für mich kein Problem. Ich hatte in den letzten Wochen mehrmals bei Temparaturen um 28° C trainiert. Auch genügend lange Läufe - mit schnellem Schlußteil (zuletzt vor 5 Tagen über 24,2 km in 2:38 Stunden, davon 30 Min. schnell) hatte ich absolviert. Ein paar Tage vor dem Start habe ich mir noch Kompressionsstrümpfe gekauft. Damit sollen u. a. eine Leistungssteigerung um 5% und eine bessere Koordination möglich sein. Es könnte also für eine Zeit unter 2 Stunden reichen. Ich will es dennoch etwas langsamer angehen und mit 5:45 Min./km anlaufen. 

Um 16:30 Uhr (1 1/2 Stunden vor dem Start) treffe ich gut gelaunt in Unterwurmbach am Altmühlsee ab. Es ist tatsächlich schön warm (ca. 24°c bei fast wolkenlosem Himmel), also noch erträglich, auch wenn auf der Strecke nur wenig Schatten sein dürfte. Zunächst klappt alles. Ich hole mir gleich die Startunterlagen ab. Dann ziehe ich mir in aller Ruhe die Kompressionsstrümpfe an. Sie fühlen sich gut an. Auch auf die Toilette gehe ich noch mal, um vor einem unangenehmen Druck aus den Eingeweiden verschont zu bleiben. Ich trinke auch noch rund einen Liter Wasser, habe aber selbst kurz vor dem Start noch das Gefühl, dass ich noch mehr trinken könnte. Doch jetzt ist es zu spät. Der Körper könnte das nicht mehr rechtzeitig verarbeiten.   

 

Ich laufe mich sehr kurz und auch nur in sehr gemäßigtem Tempo warm (um nicht zu viel Kraft zu vergeuden) und starte so etwa aus der zehnten Reihe. Über 500 Läuferinnen und Läufer stehen am Start. Punkt 18 Uhr geht es los. Ich erreiche die Startlinie nach ungefähr 15 Sekunden. Schon nach wenigen hundert Metern stelle ich fest, dass etwas nicht stimmt. Ich spüre einen unangenehmen Druck in den Unterschenkeln und habe das Gefühl, einfach nicht richtig locker laufen zu können. Ob das von den Kompressionsstrümpfen kommt?

 

Hinzu kommt, dass ich mich wie ausgetrocknet fühle. Ich beschliesse, an jeder der insgesamt sieben Wasserstellen aufzutanken. Das heisst, ich nehme zwei Schluck Wasser aus dem Becher, den ich mir im vollen Lauf greife und schütte mir den Rest (wie inzwischen üblich) über den Kopf. Den ersten  Kilometer erreiche ich bei 5:11, bin also um 34 Sekunden zu schnell. Ich drossle darauf hin sofort mein Tempo. Der Druck in den Unterschenkeln wird aber nicht geringer. Im Gegenteil. Aus dem Druck wird sehr schnell ein SchmerzJe länger ich laufe, desto intensiver wird er und desto schwerer ist es, dagegen anzulaufen. Es handelt sich eindeutig um "schwere Beine", ein Gefühl, das ich bisher immer nur hatte, wenn die Regeneration nach einem Trainingslauf zu kurz war. So schaffe ich die 21,1 km nie.

 

Ein Burgthanner, der mich gerade überholt, kann mich wenigstens kurz ablenken. Er erzählt mir, dass er eine Zerrung hat und er deswegen heute ebenfalls langsamer laufe. Man müsse dass einfach als Genusslauf sehen. Da ich langsamer bin, als er, müsste dieser Lauf für mich ja ein Hochgenuss sein. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Ich quäle mich vorwärts und denke schon ans Aufgeben. Zu diesem Zeitpunkt habe ich noch nicht einmal 3 Kilometer hinter mir. Dann reisse ich mich aber doch zusammen und beschliesse, so lange zu laufen, wie es geht und die Uhr einfach zu ignorieren. Langsam gewöhne ich mich an den Schmerz.  

 

Nach 6 Kilometern Zick-Zack-Lauf über Straßen und geteerte Wege kommt ein kurzer Anstieg, den ich besonders in den Beinen spüre. Nun ist der zu umrundende Altmühlsee erreicht. Von jetzt ab ist nur noch Schotter unter den Sohlen, wodurch meine Beschwerden aber auch nicht geringer werden. Nur das Durstgefühl lässt langsam nach.   

Die letzten Meter vor dem Ziel
Die letzten Meter vor dem Ziel

 

So bei Kilometer 9 stelle ich fest, dass ich plötzlich wieder leichter und schmerzfrei laufe. Die Läufer vor mir kommen mir immer näher. Ich werde schneller! Jetzt fange ich doch tatsächlich an zu überholen. Das macht richtig Spaß! Kilometer 10 erreiche ich nach ca. einer Stunde. Das Einsammeln geht weiter. 32 Minuten später passiere ich die 15-Kilometer-Tafel. Es gelingt mir, weiterhin einigermaßen konstant zu laufen. Die Kompressionsstrümpfe halten, was sie versprechen.

 

Erst ab km 19, als es - auf dem kürzesten Weg - wieder Richtung Unterwurmbach geht, werde ich etwas langsamer, kann aber den Abstand zu den Vorauslaufenden bis zum Schluss halten.

Gleichmässig schnell geht es bis zum Ziel. Ein richtiger Endspurt ist nicht mehr drin. Da der Zeitmesschip nicht sofort anspricht (so dass ich nochmal zurück muss) liegt die offizielle Zeit (2:10:17 brutto) um ca. 5 bis 10 Sekunden über der tatsächlichen. Die reine Nettozeit liegt daher knapp unter 2:10.

 

Jetzt bin ich froh, dass ich nicht aufgegeben habe und ich kann die erhaltene Finisher-Medaille mit Stolz tragen. Angesichts der massiven (wetterunabhängigen) Anfangsprobleme geht die schwache Endzeit in Ordnung. Insgesamt war es ein schöner Lauf. Zeitweise störend waren die vielen Radfahrer, die einer optimalen Streckenausnutzung (sicher unbeabsichtigt) gelegentlich im Wege waren. Dafür entschädigt hat das tolle Publikum an der Strecke, das alle anfeuert. Die grosse Auswahl an Getränken sowie das Obst im Zielbereich unterstreichen den guten Gesamteindruck der gelungenen Veranstaltung. 

 

Während ich bei den vorangegangenen Halbmarathons in der zweiten Hälfte nachgelassen hatte, war hier (zumindest gefühlt) genau das Gegenteil der Fall. Ich bin daher zuversichtlich, beim nächsten Mal eine neue Bestzeit zu schaffen. 

  

Doch woher kam die Beinschwere auf den ersten acht Kilometern? Der Rennverlauf hat gezeigt, dass es wahrscheinlich nicht an den Kompressionsstrümpfen liegt. Es kommt also nur ein Fehler in der Vorbereitung (Trainungsabschluss, Verhalten am Wettkampftag) in Betracht, den es gilt, zu finden und künftig zu vermeiden.