DAS LAUFJAHR 2013 - Neumarkter Stadtlauf (über 10,55 km) am 15.09.2013

Es ist ein trüber und regnerischer Sonntagmoren, als ich um 9 Uhr (eine Stunde vor dem Start, bei ca. 14° C) in Neumarkt eintreffe. Ideales Laufwetter. Ich bin mir - wie schon einmal (beim Schnupperlauf 2008) - bis fast zur letzten Minute nicht sicher, ob ich tatsächlich starten werde. Seit gestern habe ich einen heissen Kopf (fühlt sich wie Fieber an, aber ohne erhöhte Temparatur). Mir ist fast ständig warm, dazwischen friert es mich plötzlich. Ist das nur die Angst, weil ich in den letzten Tagen zunehmend damit gerechnet habe, wegen eines Infekts auszufallen oder steckt mehr dahinter? Ich weiß es nicht. Ich fühle mich topfit. Deshalb starte ich schließlich doch - mit der Angst im Nacken -, denn mit einem Infekt wäre (wegen der dann drohenden Herzmuskelentzündung) nicht zu spassen. 

 

Angetreten sind dieses Mal rund 2.500 Läuferinnen und Läufer (ca. 500 weniger als sonst), davon etwa 1.100 zum 10,5-km-Lauf. Ich stelle mich ziemlich weit hinten in das Starterfeld. Etwa 50 m vor mir ist der Zugläufer für die 2 Stunden (Halb- marathon). Es beginnt sehr zäh. Nach fast 2 Minuten überschreite ich die Startlinie. Ab hier zählt die Zeit. Langsam beginne ich zu überholen. Nach ca. 2,7 km lasse ich den 2-Stunden-Zugläufer hinter mir. Nach 5 1/2 Minuten ist der erste Kilometer geschafft. Durch die fehlende Hitze und die zusätzliche Kühlung von oben laufe ich locker und leicht (auch wenn mein Puls wieder sehr schnell nach oben gegangen ist und fast ständig bei 95% der maxHF liegt). Ich brauche mein Tempo an den Wasserstellen auch nicht verringern, weil ich einfach kein Wasser brauche. Das bringt wertvolle Sekunden.

 

Das trügerische Gefühl, schneller zu sein, als die anderen, lullt mich etwas an. Als es enger wird, werde ich auch noch gebremst, und ich kann nicht so überholen, wie es eigentlich möglich und erforderlich wäre, um einigermaßen schnell voran zu kommen. So bin ich mir immer sicherer, dass das ein relativ langsamer Lauf wird. Bis Kilometer 9 komme ich ohne große Anstregung voran. Ab dort geht es länger (ca. 1 km) leicht bergauf. Das macht mir wegen der fast plötzlich schwindenden Kraft (Körper schaltet wohl auf Fettverbrennung um) stark zu schaffen und ich werde deutlich langsamer. Jetzt hätte ich die Möglichkeit zu überholen, schaffe es aber nicht mehr. Ein Teil derer, die ich überholt hatte, ist jetzt wieder vor mir.  Auch Günter, der die letzten paar Kilometer umittelbar vor mir war (s. 3. Bild von links) - und den ich auch schon mal überholt hatte - muss ich ziehen lassen. Er war allerdings (lt. Ergebnisliste) nur 18 Sekunden (was etwa 50 m entspricht) vor mir im Ziel.

 

500 m vor dem Ziel werde ich nochmals schneller (wobei es die letzten ca. 400 m leicht abwärts geht) und überquere - nach 1:01:25 brutto (59:34 netto; entspricht exakt meiner eigenen Messung) das Ziel. Da meine GPS-Uhr (übereinstimmend mit der bei km 10 aufgestellten Kilometertafel) bestätigt hat, dass es sich tatsächlich um einen Viertelmarathon (abgerundet 10,55 km) handelt - und nicht um 10,5 km - habe ich (auch für die früheren Läufe) die Streckenlänge und die sich daraus ergebenden Berechnungen entsprechend geändert.

 

Es war schön, bei den Langsameren mitzulaufen und deshalb nicht immer nur überholt zu werden. Und so wurde der anfängliche Angstlauf sogar noch zum Genusslauf, gekrönt durch das reichliche Obst- und Kuchenbuffet im Zielbereich. 

Zieleinlauf
Zieleinlauf-Video.mp4
MP3 Audio Datei 45.7 MB

Das Zielvideo zeigt, dass der 2-Stunden-Zugläufer kurz hinter mir im Ziel ist. Er hat also wieder deutlich aufgeholt, was bestätigt, dass ich schwach angefangen und (mindestens von km 9 bis 10) ganz stark nachgelassen habe. Im Gesamt-Zieleinlauf sowie in der Altersklasse bin ich (als 646. von 1094 und 36. von 58) zwar noch im Mittelfeld, in der Männerklasse (als 533. von 748) aber bereits im hinteren Drittel gelandet. In meiner Betriebsmannschaft bin ich (als 6. von 7) nicht unter die ersten 5 gekommen und damit nicht in der Mannschaftswertung. 

 

Die äußeren Bedingungen waren ideal. Diesen Vorteil konnte ich aber nicht nutzen. Wegen der Unsicherheit über einen möglicherweise vorliegenden Infekt war mein Kopf nicht frei genug für eine Höchstleistung. Genau genommen war ich völlig von der Rolle. Das sieht man schon daran, dass ich erst im Nachhinein gemerkt habe (was ich eigentlich schon bei der Aufstellung für den Start erkennen hätte müssen), dass ich beim Start viel zu weit hinten gestanden bin, weil der 2-Stunden-Zugläufer vor mir war. Hinzu kommt, dass ich 2 Stunden später noch als Wahlhelfer antreten durfte. Das hat meine Risikobereitschaft - unbewußt - weiter reduziert. Mehr als ein Genußlauf war deswegen nicht drin.

 

Ich kann mich also noch deutlich verbessern. Um am Schluss besser durchhalten zu können, werde ich wieder lange Läufe machen müssen und auch das Anrennen gegen die Ermüdung trainieren. Tempo-und Intervall-Läufe werden weiterhin favorisiert und das Gewicht weiter reduziert.

 

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